Das erste Shooting im neuen Studio - Ein Raum ohne Ratio
- Kai Klostermann
- 25. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Dez. 2025
Ich habe in diesem Jahr einen großen Schritt gewagt und mir ein eigenes Studio
geschaffen. Ein konsequenter Schritt – und einer, der mir mehr als eine schlaflose Nacht
beschert hat.
Nun ist es fertig. Und wartet auf seine offizielle Eröffnung Ende Januar.
Die Möglichkeiten, die jetzt entstehen, sind diese Nächte wert.
Das erste Shooting ist gelaufen. Und ich habe mich selten so frei gefühlt.

Es war der Beginn eines neuen Kunstprojekts. Was es genau darstellen wird, behalte ich noch für mich. Der Weg von der ersten Idee bis zum tatsächlichen Schaffensprozess war
lang – und notwendig.
Eine Person bewegt sich durch farbgetränkte Tücher. Allein der Aufbau war eine
Herausforderung: Wie müssen Stoffe hängen, damit sie Raum schaffen, Tiefe zulassen,
Bewegung ermöglichen?
Viele kleine technische Entscheidungen gehen diesem Moment
voraus. Entscheidungen, die das Ergebnis nicht festlegen, sondern es möglich machen.
Ähnlich wie bei einer Malerin oder einem Maler: Pinsel, Farbe, Untergrund. Das Medium ist ein anderes – das Vorgehen im Kern dasselbe.
Für erste Versuche arbeite ich gerne mit Menschen, die Erfahrung vor der Kamera haben. Das nimmt mir einen Teil der Verantwortung, Unsicherheit aufzufangen.
Wobei – ganz stimmt das nicht.
Denn auch erfahrene Modelle sind bei mir zunächst oft überfordert. Standardposen greifen nicht. Sie wissen nicht, wie sie wirken. Welche Fragmente ihres Körpers sichtbar sind. Was gezeigt wird – und was verschwindet.
Genau in dieser Phase liegt die Kraft des Prozesses. Der Weg vom Ankommen bis zum
Sich-fallen-lassen. Die Freiheit, sich ohne Vorgaben bewegen zu dürfen. Menschen aus
ihrer Komfortzone zu stupsen. Das Kind wiederzuentdecken.
Diese Reise macht es für mich lebendig. Sie haucht dem Prozess Leben ein. Bilder aus
meinem Kopf werden greifbar.
Ich verstecke mich hinter der Kamera und beobachte. Ich lasse dem Menschen seinen
Raum.
Wenn Orientierung fehlt und Hilflosigkeit spürbar wird, reicht oft ein kleiner Impuls: ein
Fingerzeig, ein Ruf, eine Richtung.
Bei diesem Shooting bin ich selbst ins Set gegangen. Ich bin denselben Weg gegangen.
Es entstand ein Spiel. Ein wenig Verstecken. Ein wenig Begegnen.
Alina war zunächst überrascht. Für Fotograf:innen ist Bewegung im Set ungewohnt – wir
kontrollieren normalerweise das Licht. Hier war es anders. Ich ließ den Zufall zu.
Ein Huschen durchs Licht. Klick.
Ein Innehalten im Schein. Klick.
Eine Silhouette. Klick.
Ein Lächeln. Klick.
Alles fühlte sich vertraut an. Farbe auf unserer beider Haut.
Nach der Session lag ich zwischen den farbigen Tüchern auf dem Boden. Erschöpft.
Glücklich.
All das wäre ohne dieses Studio nicht möglich gewesen.
Nach dem Duschen kam Alina zu mir und nahm mich in den Arm. Eine Geste voller
Vertrauen. Wir hatten uns an diesem Tag zum ersten Mal gesehen. Etwas, das mich
berührt und mir zeigt: Diese Reise funktioniert nur gemeinsam. Und mit jeder neuen
Person wird sie anders sein.
Nein – sie wird ganz anders sein.
Jeder Mensch darf hier seinen Raum finden. Mich außen vor lassen oder mich einladen,
Teil des Spiels zu werden.
Die Bilder, die an diesem Tag entstanden sind, werden immer etwas Besonderes bleiben.
Es war die erste Reise in meinem Studio.
Und ich kann die nächste kaum erwarten. Das nächste Shooting steht bereits vor der Tür.
Dann im Wasserbecken.
Jedes Bild ist ein Stück Freiheit. - Vielleicht auch deins.





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